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Die Sage über den Tuxer Riesen ...

Die Sage über den Tuxer Riesen

In fernen, grauen Zeiten lebten auch in den Bergen von Hintertux noch die guten „Wilden Fräulein“. Sie schützten das Tal vor Unwetter, verhinderten Brände im Dorfe, halfen durch allerlei Zauberwerk den Bauern bei der Arbeit, wie dem kranken Vieh im Stalle und taten auch sonst viel Gutes.

Da stieg einmal ein schrecklicher Riese, der aus Südtirol vertrieben worden war, über das Tuxer Joch hernieder ins Dörflein und wollte sich dort ein Schloss bauen. Die Bauern erschraken derart, als sie seiner ansichtig wurden, dass sie am liebsten gleich hinauf in die Berge gerannt wären zu den „Wilden Fräulein“, sie um Rat und Hilfe zu bitten. Aber der Riese hatte scharfe Augen und wachte gut, dass keiner fort konnte. Sie mussten ihn füttern und das Ungeheuer fraß ihnen fast alles auf, was sie hatten. Darüber hinaus befahl er den Leuten noch, alle Steine aus der Umgebung zusammenzutragen, damit er sich daraus ein Schloss bauen konnte.

Als da eines Tages nun ein paar junge Burschen hinaufstiegen gegen die Gefrorene Wand, um von dort Felsblöcke herunterzuholen, begegneten ihnen ganz unvermutet die „Wilden Fräulein“. Da fielen sie vor den schönen Bergmaiden auf die Knie und baten inniglich, sie möchten helfen und den gräulichen Riesen wieder aus dem Tale jagen. Und die Fräulein versprachen es:“ Tragt nur Blöcke zusammen, wie es euch befohlen wurde, wir verlassen euch nicht!“ So sprachen sie und waren wieder verschwunden.

Einige Tage später war’s. Der Riese hatte bereits begonnen, die Blöcke aufeinander zu schichten, da brach ein gewaltiges Unwetter los. Es blitzte und krachte in einem fort und ein gewaltiger Sturm warf die Felstrümmer in alle Himmelsrichtungen auseinander. Der Riese fluchte, dass man es bis hinaus nach Zell und hinüber nach Schmirn hören konnte. Am nächsten Tage begann er abermals aufzubauen. Aber wieder schickten die „Wilden Fräulein“ einen Sturm und zerstörten sein Werk.

Da wurde der Riese wild und schwor den kleinen Fräulein Rache. Zornbebend stellte er sich auf einen hohen Felsen und spähte ringsum, ob er sie nirgends fände. Auf einmal sah er sie droben in der Gefrorenen Wand, wo sie aus einem Felsloch herausschauten. Da brüllte er vor Wut, streckte seine mächtigen Pranken aus und kratze über die Wand herunter.

Die „Wilden Fräulein“ waren jedoch schnell in ihre Höhle geschlüpft, sodass ihnen nichts geschah. Die Eiswand aber hat seither zahlreiche Risse und Sprünge in ihrem Gesicht. Als der Riese einsah, dass er wiederum den Kürzeren gezogen hatte, beschloss er ergrimmt, das Tal zu verlassen und stapfte mit schweren, zornigen Schritten über das Joch zurück. Und der Wanderer, der heute nach Hintertux kommt, kann immer noch die Riesentritte in den Felsen sehen.

Alle die nun neugierig geworden sind, können auf den Spuren des Tuxer Riesen und den Wilden Fräulein die Bergwelt rund um das Tuxertal spannend entdecken.

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